Verpackungsfrei Einkaufen

 

Letzte Woche habe ich das Erste mal einen „Verpackungsfreien“-Laden besucht. In Deutschland gibt es inzwischen über 50 solcher Läden.

Aber was ist das eigentlich genau? Wieso eigentlich verpackungsfrei einkaufen und was kann ich dort alles kaufen? Und zu guter Letzt: kann ich alleine überhaupt etwas damit bewirken?

Im folgenden ein paar Gedanken zu dem Thema und Eindrücke von meinem Besuch in einem der Läden, die es uns ermöglichen einen kleinen Beitrag zur Müllreduzierung zu leisten.

 

 


Das Konzept 

Das Konzept ist eigentlich ganz einfach und die meisten Verpackungsfreien-Läden handhaben es gleich: Du bringst deine eigenen Gefäße mit (Gläser, Flaschen, Boxen, Taschen) oder kaufst sie dir (je nach Angebot) direkt vor Ort. Du wiegst das Leergewicht und füllst sie dann mit dem was dir beliebt. An der Kasse wird gewogen und das Leergewicht abgezogen – so zahlst du nur für den Inhalt!

 

 

 

 

Welche Waren gibt es? 

Eine Menge! Von verschiedenen Nudel-, Reis- und Getreidesorten über Kaffee, Nüsse, Gewürze, frisch gebackenes Brot, Flocken, Trockenfrüchte, Salze, Öle, Essige bis hin zu Süßigkeiten. Es gibt frisches Obst und Gemüse, Käse, Milch und Jogurt (In Pfandgefäßen)! Auch die Körperhygiene und alles Rund um den Haushalt kommt nicht zu kurz: Ob Waschmittel, Bambus-Geschirr oder Teelichter… es gibt eine Menge zu entdecken!

 Es war wahnsinnig spannend zu sehen, wieviele innovative Ideen es inzwischen im Bereich der Müllreduzierung gibt! Das war mir in diesem Ausmaße vor meinem Besuch in diesem Laden nicht bewusst und hat mich wirklich fasziniert. Besonders spannend war die kleine Getreidemühle, mit der ich mein Mehl selbst malen und die Müsli-Eigenkreation die ich mir ganz frei nach Belieben zusammenstellen konnte:

 

 

Das Regal für die Körperhygiene hab´ ich erst ganz zum Schluss entdeckt und es war eine Freude hier herumzustöbern. Ich war überrascht, wie viele Produkte es für die Körperpflege und zur Reinigung des Haushalts auch verpackungsfrei gibt. Darunter Shampoos, Seife am Stück, Bambuszahnbürsten, Cremes, Tücher und Deo. Nicht alles funktioniert ganz ohne Verpackung, dafür wird auf Plastik verzichtet und meist recyceltes Material verwendet. So wie zB.: dieser Deostick in Korkhülle:

 

    

 

Neben der vereinfachten Müllreduzierung, habe ich noch ein paar andere Dinge von meinem Einkauf mitgenommen:

Zum Einen ist es einfach schön, in einem Laden ohne bunte Verpackungen und überquellende Regal einzukaufen. All die schlichten Gefäße strahlen eine Ruhe und Ästhetik aus und es macht Freude in Ruhe zu stöbern und sich umzuschauen. Wer  Zuhause Wert auf Ästhetik legt, wird auch seine Freude daran haben, die Dinge in schlichten Gefäßen aufzubewahren und somit auf bunte Verpackungen in der Küche verzichten zu können.
Zum Anderen ist die Auswahl kleiner als in einem konventionellen Supermarkt. Und wie so oft ist weniger manchmal mehr – so erging es zumindest mir. Ich habe mir bewusst Zeit genommen mir alles einzeln anzuschauen und mit Bedacht auszuwählen. Ja, man kann wohl sagen, es war ein achtsamer Einkauf!

Du hast auch Lust bekommen, mal einen Verpackungsfreien Laden zu besuchen und weißt nicht, ob es einen solchen Laden in deiner Nähe gibt? Utopia.de hat hier eine Liste von allen verpackungsfreien Supermärkten in Deutschland (und von denen, die in Planung sind) zusammengestellt.


 

Wieviel Müll produziert ein Verpackungsfreier  Supermarkt?

& Wie teuer ist es, hier einzukaufen?

Zum Abschluss möchte ich noch auf zwei Punkte eingehen, die mir während und nach meinem Besuch im Kopf schwirrten. Vielleicht hast du dir beim Lesen auch schon sowas gedacht wie:
Schön und gut, dass klingt ja alles ganz nett, aber was kostet mich denn so ein Einkauf? Das ist doch bestimmt ziemlich teuer! Und: Der Laden muss seine Sachen ja selbst irgendwie angeliefert bekommen, dass geht ja nicht ohne Verpackungen – wie viel Müll wirft denn der Laden ab? Macht es im Großen und Ganzen überhaupt Sinn?

 

Zum einen: Die meisten Verpackungsfreien Läden setzen auf Bio-Qualität. So auch der „Einzelhandel- einkaufen zum wohlfüllen„, den ich in Münster besucht habe. Nicht bei allen Produkten lässt sich das aber bislang umsetzten, aber bei den meisten. Bioprodukte sind in der Regel etwas teurer als die konventionellen Produkte, dafür zahlt sich das in Qualität und bestenfalls natürlich auch in Nachhaltigkeit aus. Die Preise in dem Verpackungsfreien-Laden den ich in Münster besucht habe sind vergleichbar mit den Preisen anderer Bio-Märkte und -Produkte. Immer nur Bio einzukaufen ist auf Dauer natürlich auch etwas teurer, aber vielleicht ist ja ein kleiner, bedächtiger Einkauf in so einem Laden trotzdem mal drin.

 

Wie viel Müll fällt in einem Unverpackt-Laden an? Der Gedanke kam mir erst als ich schon wieder Zuhause war; also habe ich mich an den Computer gesetzt und ein wenig zu dem Thema gegoogelt. Dabei bin ich über den Blog Wastelandrebels von Shia gestoßen, die vor knapp einem Jahr bereits einen Artikel dazu verfasst hat (Der Artikel ist recht lang aber lohnt sich allemal; wenn hier Lust habt klickt hier). Shia hat im  Laden Natürlich Unverpackt in Münster  hinter die Kulissen geschaut und sich mit der Ladeninhaberin über das Thema Müll unterhalten. Um dir einen kleinen Eindruck zu verschaffen, fasse ich ihre Ergebnisse hier kurz zusammen:

Der Laden füllt alle zwei Wochen eine große Papiertonne und pro Woche einen vollen gelben Sack und eine halbvolle kleine Biotonne. Die Kanister in denen sich Waschmittel & co. befinden werden an die Hersteller zurückgeschickt wo sie zerschreddert und zu neuen Kanistern verarbeitet werden.

Ich persönlich war von diesen Ergebnissen überrascht. Ein voller gelber Sack pro Woche? Meine Zweier-WG hat in der gleichen Zeit schon mindestens einen halben gelben Sack gut gefüllt! Eine große Papiertonne in zwei Wochen? In unserem Mehrparteien-Haus stehen zwei kleine Papiertonnen und die quellen eigentlich ständig über!
Also: Hut ab!

 

Was in diesen Zahlen zu kurz kommt, ist die Bemühung der Ladenbesitzer, die sich ständig dafür einsetzen, den Verpackungsmüll noch weiter zu reduzieren. Viele Hersteller sind mit ihren Produktionen nicht darauf ausgelegt und können oder wollen dem Anspruch des Ladens nicht entgegenkommen. Das hat manchmal zur Folge, dass bestimmte Produkte auch aus dem Programm genommen werden müssen.

 

Ein kleiner Anhang: Das große Problem mit dem Plastik
Das wir ein Problem mit Plastik haben, ist kein Geheimnis und für die meisten von Euch ist das hier sicher nichts Neues. Aber ich möchte es trotzdem nicht unerwähnt lassen – vielleicht für die/den ein oder andere/n, für die/den dieses Thema noch etwas Neuland ist:
Wir produzieren Unmengen an Plastik (ob Flaschen, Tüten, Schalen, Verpackungen und mehr), recycelt wird davon aber nur eine sehr geringe Menge. Viele Produkte werden nur einmal verwendet und landen dann im Müll. Oder im Ozean, wo das Plastik durch die Sonneneinstrahlung zwar in kleine Stücke zerfällt, sich aber nie ganz auflöst und von Meerestieren gefressen wird. So gelangt Plastik und andere Verschmutzungen in die Nahrungskette. Dies schadet also nicht nur den Meereswelt, sondern auch uns selbst.
An vielen Ecken und Enden muss etwas passieren, wenn wir wollen, dass die Generationen nach uns, die Erde noch so sehen können wie wir. In der Politik und in den großen Konzernen muss ein Umdenken stattfinden, aber auch kleine Schritte sind erste Schritte!
Kann ich alleine überhaupt etwas bewirken?
Auf jeden Fall! Es kann ganz schön frustrierend sein, sich bewusst zu machen wieviel Umweltverschmutzung (nicht nur durch Plastik, aber auch!) jeden Tag auf der ganzen Welt geschieht. Aber ich glaube, einfach die Augen davor zu verschließen und sich Verantwortung abzugeben ist keine Lösung. Jeder einzelne von uns entscheidet, in welche Richtung wir als Gesellschaft gehen wollen und werden. Desto mehr Menschen sich bewusster mit dem Thema auseinandersetzen und wenn auch nur in kleinen Schritten handeln, umso mehr können wir damit erreichen. Auf diese Weise erhöhren wir das Bewusstsein für die Thematik und unterstützen Menschen, Geschäfte, Institutionen und Start-Ups, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben.
Eine Alternative zum Verpackungsfreien-Laden:

Um weniger Müll beim Einkaufen von Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarf, muss es aber nicht unbedingt ein Verpackungsfreier Supermarkt sein! Auch normale Supermärkte bieten eine Menge Produkte an, die gar nicht (Zb. Obst, Gemüse) oder nur wenig verpackt sind – oder bei denen wir die Wahl zwischen Plastik- und Papier-Verpackung haben. Manchmal ist es schon ein Anfang die Augen bewusst danach offen zu halten!

Für Körperpflege- und Kosmetikartikel ist z.B. auch Lush eine gute Anlaufstelle. Dort gibt  es Shampoos, Conditioners & co. am Stück und Cremes in Kunststoffbehältern, die du nach Gebrauch zurückbringen kannst, damit sie wiederverwendet werden. Als Dank erhältst du dann sogar einen kleinen Gutschein. Yay!

Die Ausbeute meines zweiten Besuchs: ich habe mir unteranderem ein Müsli (links) aus Dinkel- und Haferflocken, Crunchy Müsli (mit Erbeeren und Kokos), Amaranth und Haselnüssen zusammengestellt und liebe es!

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